Deutsche und ausländische Studierende unterstellen sich gegenseitig mangelnde Weltoffenheit
Deutsche und ausländische Studierende unterstellen sich gegenseitig mangelnde Weltoffenheit. So
das prägnanteste Ergebnis einer Studie, die Studierende des Instituts für
Kommunikationswissenschaft unter Leitung von Professor Wolfgang Donsbach durchgeführt haben. Es
wurden deutsche und ausländische Studierende der TU Dresden zu ihren Einstellungen gegenüber ihren
Kommilitonen befragt.
Bei den Gründen für weniger Kontakt zu Deutschen bzw. Ausländern stimmten 48 Prozent der
ausländischen Studierenden und 40 Prozent der deutschen Studierenden der Aussage zu, die jeweils
andere Gruppe würde zu gerne unter sich leben und lernen. Aber auch Sprachschwierigkeiten wurden
auf beiden Seiten relativ häufig genannt. Während die deutschen Studierenden der Meinung sind,
Unterschiede im Denken und Verhalten würden nicht bestehen (nur 10 Prozent Zustimmung), sind auf
Seiten der ausländischen Studierenden immerhin 30 Prozent der Meinung, es würden zu große
Unterschiede im Denken und Verhalten existieren. Dagegen spielten religiöse Unterschiede eher keine
Rolle.
Die Erhebung der Zusammensetzung der jeweiligen Freundeskreise erbrachte traurige Ergebnisse:
Mehr als ein Viertel der deutschen Studierenden gab an, dass der Freundeskreis ausschließlich aus
Deutschen besteht. Bei den ausländischen Studierenden sind bei 37 Prozent der Befragten „alle“ oder
„die meisten“ Freunde aus dem eigenen Land und bei 24 Prozent „alle“ oder „die meisten“ Freunde aus
anderen Ländern (nicht aus Deutschland). Bleiben ausländische Studierende zu gerne unter sich?
Beide Seiten sprachen sich jedoch mit überwiegender Mehrheit für einen intensiveren Kontakt an Uni
und in der Freizeit aus: hierbei ist der Wunsch bei den ausländischen Studierenden etwas höher als
bei den deutschen Studierenden.
Wo liegt also das Problem zwischen der scheinbaren Diskrepanz zwischen Ist- und Sollzustand? An
fehlenden Kontaktmöglichkeiten seitens der TU Dresden scheint es nicht zu liegen. Dass hier ein
Grund für mangelnden Kontakt liegt, sagen nur 21 Prozent der deutschen und 26 Prozent der
ausländischen Studierenden (vgl. Grafik 1). Ebenfalls sind knapp zwei Drittel (62 Prozent) der
deutschen Studierenden und drei Viertel (75 Prozent) der ausländischen Studierenden der Meinung,
dass die TU Dresden viel dafür tut, dass sich die Studenten an der Universität wohl fühlen. Dies
gilt sowohl für die deutschen als auch für die ausländischen Studierenden.
Es scheint also alles eine Sache der Kommunikation und der eigenen Voreingenommenheit gegenüber
den Kommilitonen zu sein. Jakob Ohme, einer der Studierenden, die diese Studie durchgeführt haben,
zieht als Fazit:
„Letztlich sollte sich jeder selber fragen, wie interessiert und aufgeschlossen er den
ausländischen Mitbürgern gegenübertritt. Es lohnt sich, die Fremdenfreundlichkeit an der TU Dresden
aber auch in der Stadt Dresden weiter auszubauen und zu sagen: willkommen!“
Quelle: TU Dresden